Den Lebensfaden
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Die Vorgeschichte

Schon vor dem zweiten Weltkrieg wollten die Pallottiner in Wien ein Bildungshaus errichten, um im Sinne ihrer Spiritualität alle Laien zu ermutigen, selbst Apostel in und über die Kirche hinaus zu sein. Erst im Jahr 1949 ergab sich dazu die Möglichkeit eine alte Herrschaftsvilla (erbaut von einem griechischen Diplomaten und durch Kriegseinwirkung in sehr schlechtem Zustand) zu erwerben. Ab 1950 konnte mit der Bildungs- und Exerzitienarbeit begonnen werden.

Kapelle im Park

Entstehung der Kapelle

Eine Gruppe von Frauen und Männern, die aus der Spiritualität und apostolischen Gesinnung der Schönstattbewegung lebte (die der Pallottiner Pater Joseph Kentenich gegründet hatte) erbaute 1958/59 die Kapelle zur „Dreimal Wunderbaren Mutter“. Die Ursprungskapelle befindet sich bei Koblenz - Vallendar; in Wien bestehen noch zwei Kapellen dieser Art (in der Kirche zur Königin des Friedens, Wien X. und auf dem Kahlenberg). Da aber die Wallfahrten und Exerzitien im Sinne dieser Bewegung immer mehr zurückgingen, dachte man vom Bildungshaus her bald an eine Neugestaltung der Kapelle, die allen Gruppen und Gästen des Hauses vorrangig Zugang zur Sinnfrage und dann zum Glaubensleben bieten sollte. Außerdem zeigte eine Schönstattgruppe aus Oberösterreich Interesse an der Innenausstattung der Kapelle, da sie bei Linz eine weitere Kapelle bauen bzw. ausstatten wollte (was inzwischen auch am Pöstlingberg verwirklicht worden ist).

Erneuerung der Kapelle

„Wie kann ich mein Leben von Anfang an verstehen – gibt es einen roten Faden durch all meine Lebensstufen – was macht die feste Mitte meines Lebens sowie der ganzen Weltgeschichte aus – kann ich im Leben und über den Tod hinaus mit einer liebevollen, tragenden Hand rechnen?“

Altar in der Mitte

Von diesen Grundfragen her meditierte und konzipierte der Rektor des Hauses, Pater Alfred Gruber SAC, ab dem Jahr 2000 den Plan. Die weitere Holzausstattung besorgte der Neffe von P.A. Gruber, Herbert Gruber aus Tamsweg im Lungau. Für die Schnitzarbeiten im Apsisbereich konnte Prof. Bernhard Prähauser gewonnen werden (geb. 1921 in Hallein; Adlhart – Wotruba-Schüler; lange im Lungau tätig) und Schritt für Schritt erfolgte die gesamte Umgestaltung bis 2005.

Um einen Dreischritt soll es gehen:

  1. Wir dürfen aus einer beflügelnden, tragenden Botschaft leben
  2. Diese gute Nachricht wird gefeiert und vergegenwärtigt (Altar in der Mitte)
  3. Daraus ergibt sich die Dynamik der Sendung für jeden Menschen (Luster beim Ausgang).
Altar in der Mitte Detail

Zu 1: Prof. Prähauser brachte die Idee des Phönix aus der Asche als Zeichen für Christus, den Auferstandenen ein. Die Überlieferung ist bei allen alten Kulturvölkern bekannt, dass sich der Phönix ein Nest aus Heilkräutern zusammenträgt – er setzt sich hinein, zündet es an und kommt darin nicht um, sondern nach drei Tagen ersteht er viel kräftiger und schöner als er vorher gewesen ist!

Wir denken an Jona, drei Tage im Fisch, Lazarus, drei Tage im Grab; die Vor-Bilder für Christus selbst: Unglaublich Neues bricht auf!

Die Kreisscheibe im Hintergrund ist Sinnbild für das Ewig-Unendliche, während das Quadrat die menschliche Ebene darstellt, deren Mitte und Halt aus dem Ewigen erwächst. Im Geviert des menschlichen Lebens sind die Öffnungen der Geburt, des Grabes und der Auferweckung sichtbar, miteinander verbunden durch den roten Lebensfaden: Auch wenn nach allem Auf und Ab des Lebensweges dieser Leitfaden im Grab entschwindet – er wird in der Auferweckung zur Mitte, zur Ewigkeit geführt.

Im Schattenriss sind auf der weißen Wand drei Hände erkennbar: Links unten die Schaffende, die den Menschen auf seine Lebensbahn sendet; die Erwartende nach dem Abstieg in das Grab und die Neubelebende im Rund der Auferweckung. Der Glaube führt vom Schattenhaften, dem Vordergründig-Sichtbaren nicht hinter das Licht, sondern in die Fülle des Lichtes und bleibenden Lebens. So kann der Phönix als Zeichen der beständigen Neuschöpfung, als beflügelnder Motor für alle Zeiten, als Dynamik des Hl. Geistes betrachtet werden.

Zu 2: Wer sich dieser christlichen und schon urmenschlichen Botschaft öffnet, möchte sie – im zweiten Schritt – gerne in Erinnerung rufen, feiern und vergegenwärtigen: Dies geschieht auf dem Tisch des Altares: Er fußt auch auf einem Quadrat, also unserem irdischen Lebensgeviert der Jahreszeiten und Windrichtungen, aber das Achteck der Altarplatte versinnbildlicht in der Architektur den Himmel und die Kreisscheibe darauf wieder das Ewig-Unendliche. Was hier gefeiert wird, kann also schon jetzt Himmel und Erde verbinden und Gleichgesinnte zu einem intensiven Kreis zusammenschließen.

Luster beim Ausgang

Zu 3: Vom Hintergrund und der Feier einer festen Lebensmitte und zugleich dynamischer Entfaltung und von der Zusage, im bleibenden Licht ganz neu gestaltet zu werden, daraus ergibt sich (mit dem Blick auf den Luster bei der Tür) die Sendung für jeden von uns: Die sieben Flammen und Gaben des Hl. Geistes oder die sieben Sakramente, sie wollen uns an den sieben Tagen der Woche stärken und beflügeln und den weiten Horizont großer Zukunft im Alpha und Omega erschließen. Diese unerhört klingende Botschaft setzt Kräfte frei, vermittelt tiefe Geborgenheit und scheut sich auch nicht, anderen davon mit-zu-teilen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass hier die Ursehnsucht der Menschen und die umfassende Botschaft von der Schöpfung über die Auferstehung bis zur Vollendung in einer Darstellung und in einem Raum vereint sind und sich dadurch in einfach-anschaulicher Weise die persönliche Lebensdeutung daran messen und bestärken lässt.

Gerne wird jetzt die Kapelle wieder bei Gottesdiensten, Taufen, Hochzeiten, Meditationen etc. angenommen und auch Gäste des Hauses lassen sich die Botschaft in Erinnerung rufen, dass sich der Mensch wie ein Phönix aus der Asche jeden Tag in eine große Zukunft neu erheben darf.

P.A.G. SAC